Grenzen setzen: 5 Tipps für mehr Zeit und Energie
Du sollst am Ende nicht nur besser verstehen, warum du so oft Ja sagst, obwohl du Nein meinst – sondern konkrete Möglichkeiten an der Hand haben, um künftig bewusster Grenzen zu setzen. Denn das Grenzen setzen lernen ist zum Glück möglich!
Warum ist Grenzen setzen so schwer?
In uns sitzt der tief verankerte Wunsch nach einem guten sozialen Miteinander. Wir möchten niemanden enttäuschen, die Stimmung nicht kaputt machen und nicht als egoistisch oder schwierig wahrgenommen werden. Wir sehnen uns nach Harmonie, Gruppenzugehörigkeit und Frieden untereinander.
Dieser Wunsch nach Nähe steht im Konflikt mit dem Grenzen setzen.
Folgende drei Aspekte machen das Grenzen setzen besonders schwer:
Das sind meiner Erfahrung nach die drei Hauptgründe, weswegen wir manchmal dazu neigen, unsere eigenen Grenzen zu ignorieren.
Das Paradoxe daran:
Wir möchten eigentlich ein gutes Miteinander schützen, wenn wir Harmonie wahren und Konflikte vermeiden. Und doch kann dieses Verhalten das Gegenteil auslösen oder verstärken: und zwar genau die sozialen Spannungen, die wir vermeiden wollten.
Grenzen setzen ist wichtig, wenn du mehr Zeit für das Wesentliche haben möchtest
Grenzen setzen ist eine zentrale Fähigkeit, wenn wir unsere begrenzte Zeit und Energie bewusst einsetzen und nutzen möchten. Auch unterstützt dich diese Fähigkeit dabei, von anderen respektiert zu werden. Denn wer klar, aufrichtig und selbstbestimmt seine eigene Position kommuniziert, gewinnt in der Regel leichter die Achtung der Anderen.
Dabei geht es beim Grenzen setzen in keinem Fall darum, anderen auf die Füße zu treten, nicht mehr hilfsbereit zu sein oder sein Ego durchzusetzen.
Es geht vielmehr darum, bewusst zu entscheiden, wofür man seine Zeit, Energie und Aufmerksamkeit verwenden möchte.
Wer zu allem anderen Ja sagt, sagt unter Umständen nein zu sich selbst.
Somit ist das Grenzen setzen im Alltag, im Job oder in Beziehungen essentiell für dich selbst.
Grenzen können anderen helfen & Freiheit schaffen
Greg McKeowns beschreibt in seinem Buch Essentialismus, was wir durch klare Grenzen gewinnen. Zwei Beispiele möchte ich hier wiedergeben:
1. Grenzen setzen, um anderen zu helfen
Ein „Nein“ an der richtigen Stelle ist entscheidend für ein gutes soziales Miteinander. Denn klare Grenzen sorgen für Klarheit. Und dein Gegenüber weiß, woran er oder sie ist. Das sorgt gleichzeitig für Respekt deiner Selbst und des Anderen.
Zudem, beschreibt McKewon, sei niemandem geholfen, wenn man durch ein „Ja“ anderen ihre Probleme abnimmt. Wenn du beispielsweise ständig die Aufgaben oder Probleme deines Kollegen übernimmst, nimmst du ihm damit möglicherweise auch die Möglichkeit, selbst eine Lösung zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Auch Grenzen setzen im Job ist erlaubt und angebracht.
Die Message:
Mache daher also die Probleme Anderer nicht zu deinen eigenen!
Dein Nein kann allen Parteien helfen.
2. Sich freier fühlen durch klare Grenzen
Wenn deine Grenzen klar sind, musst du nicht ständig darüber nachdenken, wo sie eigentlich liegen oder ob du sie gerade verteidigen musst.
McKeown beschreibt das anhand eines Beispiels aus einer Schule:
Ein Pausenhof liegt an einer viel befahrenen Straße. Ohne Zaun müssen ältere Schüler auf die jüngeren aufpassen und die Kinder können sich nur in einem kleinen, sicheren Bereich bewegen.
Mit einem Zaun wird der Spielbereich dagegen klar abgesteckt und von den Autos getrennt.
Die jüngeren Kinder können sich innerhalb des Zauns frei bewegen. Die älteren Schüler müssen gleichzeitig nicht mehr ständig aufpassen.
Genau das ist auch auf unseren Alltag übertragbar:
Klare persönliche Grenzen können Raum schaffen: für dich selbst und gleichzeitig für andere.
Aber was hilft, um das Grenzen setzen lernen zu können?
Grenzen setzen: 5 Tipps, die helfen
1. Tipp: Werde dir deiner Bedürfnisse und Werte bewusst
Damit du gesund Grenzen setzen kannst, musst du überhaupt erstmal wissen, wo deine Grenzen liegen. Dazu hilft es, sich folgende Reflexionsfragen zu stellen:
Ein Beispiel:
Mir ist es gerade sehr wichtig, den Blog voranzubringen. Dafür brauche ich Zeit. Gleichzeitig ist mir meine Partnerschaft genauso wichtig. Deswegen muss ich gucken, wie ich meine Zeit anders verteilen kann. Vielleicht mache ich für eine begrenzte Zeit weniger Hobbys, treffe Freunde etwas seltener oder gestalte meinen Alltag so um, dass mehr Zeit für das Bloggen und meinen Freund entsteht.
Das Schöne: Wenn du dir erst einmal darüber im Klaren bist, wo deine K.O.-Kriterien liegen, kannst du sie mit der Zeit viel leichter erkennen.
Du weißt immer besser, wo deine Grenzen liegen und kannst sie schützen.
2. Tipp: Überlege dir Kompromisse
Grenzen setzen schließen einen Mittelweg nicht aus.
Überlege dir:
Ich bin zwar nicht für X bereit – aber könnte ich stattdessen Y tun?
Ein Beispiel:
Meine Freundin möchte sich mit mir treffen. Ich habe aber gerade nur maximal 1,5 Stunden Zeit.Dennoch möchte ich sie auch sehen. Also lade ich sie einfach zu mir ein, um keine Stunde für Hin- und Rückweg einzuplanen.
So bleibt die Grenze bestehen (nicht mehr als 1,5 Stunden), gleichzeitig sehen wir uns.
Kompromisse sind eine wunderbare Möglichkeiten, für das Grenzen setzen in Beziehungen. Und auch im restlichen Leben 😉
…dabei aber nicht vergessen: nicht jeder Wunsch braucht einen Kompromiss.
3. Tipp: Trenne dein „Nein“ von der Beziehung
Wenn du einen Vorschlag oder eine Bitte einer Person ausschlägst, mache dir bewusst:Du sagst nein zu der Sache, NICHT zu der Person.
Diese Unterscheidung kann helfen, die Situation objektiver zu betrachten.
Ein Beispiel:
Eine Freundin fragt dich, ob du mit ihr für einen Marathon trainieren möchtest.Du hast keine Zeit und möchtest nicht.
Dann sagst du Nein zum Marathontraining – aber nicht zu deiner Freundin.
Zudem macht der Ton die Musik:
Es macht einen Unterschied, ob du die Ablehnung ruhig und wertschätzend formuliert oder gereizt, ängstlich oder übermäßig entschuldigend.
4. Tipp: Stelle klare Regeln auf
Eine sozialer Vertrag hilft im Umgang miteinander. Besonders bei Menschen, mit denen du regelmäßig zu tun hast, lohnt es sich, im Vorfeld zu besprechen, wie ihr miteinander umgehen möchtet.
Diese Zeitinvestition im Vorfeld kann dabei helfen, Missverständnisse und Spannungen zu vermeiden.
Meine Empfehlung: Haltet eure getroffenen Vereinbarungen schriftlich auf Papier fest. Das erhöht die Verbindlichkeit.
Ein Beispiel:
Du ziehst mit deinem Partner zusammen. Setzt euch im Vorfeld zusammen und besprecht, wie ihr euren Alltag gestalten möchtet. Wie regelt ihr Einkaufen und Haushalt? Wie viele gemeinsame Abende möchtet ihr verbringen? Wie verteilt ihr Aufgaben? Wie viel Zeit möchte jeder für sich haben?
Je mehr ihr im Vorfeld klargestellt habt, desto weniger müsst ihr später über dieselben Dinge diskutieren. Das ist nicht nur in persönlichen, sondern auch in beruflichen Beziehungen hilfreich und sinnvoll.
5. Tipp: Gewöhne dir ab, voreilig „Ja“ zu sagen
Oft steckt man in der Patsche, weil man unüberlegt und aus dem Bauch heraus etwas zugestimmt hat.
Die simple Lösung: Du musst nicht sofort Ja sagen!
Verschiebe deine Antwort auf später. Räume dir Bedenkzeit ein.
Ein Beispiel:
Statt „Ja, klar!" probiere: „Das ist ein schöner Vorschlag! Ich schaue zu Hause noch einmal in meinen Kalender und gebe dir Bescheid.“
Oder: „Ich muss erst schauen, ob ich das zeitlich unterbekomme. Ich melde mich heute Abend bei dir.”Oder noch kürzer: „Ich denke darüber nach und geb’ dir Bescheid.“
So räumst du dir Zeit ein, um eine wertschätzende Absage zu formulieren bzw. um nochmal richtig nachzudenken, ob du für den Vorschlag bereit bist.
Wichtig ist: sag der anderen Person dann aber auch wirklich zuverlässig Bescheid. Zuverlässigkeit ist hier das A&O!
Fazit: Grenzen setzen schafft Raum für das, was dir wichtig ist
Gesundes Grenzen setzen fällt schwer. Die Gründe dafür sind ein (zu) ausgeprägtes Harmoniebedürfnis, die Angst vor Ablehnung oder Konfliktscheue. Das kann dazu führen, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse zurückstellen und Ja sagen, obwohl wir eigentlich Nein meinen.
Dabei ist Grenzen setzen wichtig – für dich selbst und für ein gutes Miteinander.
Denn wenn du deine Grenzen kennst und sie klar kommunizierst, kannst du bewusster entscheiden, wofür du deine Zeit und Energie einsetzen möchtest.
Beim Grenzen setzen helfen folgende 5 Tipps:
Grenzen setzen heißt nicht nur, etwas abzulehnen.
Es heißt auch, Raum für das zu schaffen, was dir wichtig ist.
